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Gedämpftes Kettenrad – das läuft wie geritzelt

Gedämpftes Kettenrad – das läuft wie geritzelt

Störgeräusche und fehlende Laufruhe versetzen Ihrer Laune bei Motorradtouren regelmäßig Dämpfer? Das geht auch anders: mit Silent Spocket und gedämpften Kettenrädern. Wir klären darüber auf, was es mit dem Kettenantrieb auf sich hat und wie die Kettentechnik von Gummidämpfungen profitiert.

Was uns antreibt: Kettengetriebe mit verschiedener Zähnezahl

Zahnradgetriebe werden von Motorradherstellern als häufigste Getriebeart im Sekundärantrieb genutzt. Zahnräder übertragen dabei Drehmomente und Drehzahlen von einer Welle auf eine andere. Diese Übertragung erfolgt mittels Formschluss der ineinandergreifenden Zähne. Durch Kombinationen unterschiedlich großer Zahnräder mit verschiedener Zähnezahl werden in einem Zahnradpaar Drehmomente und Drehzahlen abgeändert. Die Getriebeart bietet Vorteile wie die schlupffreie und formschlüssige Kraftübertragung zu wechselnder Drehrichtung.

Verglichen mit Riementrieben lässt ein Zahnradgetriebe mit verschiedener Zähnezahl geringere Achsabstände zu und überträgt höhere Kräfte. Die Vielfalt an Bauformen macht Zahnradgetriebe für unterschiedliche Achslagen geeignet. Wegen ihres simplen Aufbaus sind die Getriebe zu extrem betriebssicher und wartungsarm. Das kleinere Zahnrad des Getriebes nennt sich Ritzel. Das größere Zahnrad heißt Rad und wird vom Ritzel angetrieben. Unter einem Kettenrad versteht der Techniker ein Zahnrad mit besonders großer Teilung (p), das mit unterschiedlicher Zähnezahl Rollenketten antreibt. Kettenräder lassen über die Zähne eines Zahnrads also eine Rollenkette laufen. Dieser Kettenantrieb ist der häufigste Sekundärantrieb von Motorrädern.

Volle Power – Kettengetriebe und Kettenrad als Sekundärantrieb

Welche Antriebsart die Power am Optimalsten auf das Hinterrad überträgt, bleibt unter Bikern eine Streitfrage. Die Antriebskette mit Kettenrad und Kettenradscheiben zählt zu den gängigsten Kraftübertragungsarten zwischen dem Motor und dem Hinterrad. Im Vergleich zu Sekundärantrieben wie Kardan oder Zahnriemen bietet ein Kettengetriebe mit unterschiedlicher Zähnezahl und Kettenrad sowie Kettenradscheiben

  • einen besseren Wirkungsgrad. Bei Kettenrädern geht auf dem Weg zum Hinterrad weniger Leistung verloren.
  • günstigen Preis
  • geringes Gewicht
  • leicht zu ändernde Übersetzung mit Eignung für den Motorsport
  • einfachen Aufbau
  • Stoßausgleichsfähigkeit
  • bei entsprechender Pflege Langlebigkeit

Ob Enduro, Sportler oder Tourer: Kettenantrieb und Kettenräder sind günstig in der Produktion und weisen verglichen mit anderen Antrieben ein wesentlich geringeres Gewicht auf.Selbst Kardananhänger BMW verbaut in einzelne Maschinen Kettentechnik. Annähernd jeder Mechaniker kann den Kettenantrieb im Bedarfsfall mit geringem Aufwand und damit für relativ wenig Geld reparieren. Die Kettentechnik ist nämlich nicht nur preiswert, sondern außerdem relativ leicht zu durchblicken. Im Vergleich zu Kettenantrieben mit Kettenrädern und Kettenradscheiben müssen Biker mit Kardan oder Zahnriemen im Reparaturfall wesentlich tiefer in das Sparschwein greifen. Prinzipiell macht die Kettentechnik den Sekundärantrieb von Motorrädern relativ langlebig. Gut gepflegte Ketten bringen es heutzutage gut und gerne auf eine Lebensspanne von 30.000 Kilometern – der regelmäßigen Schmierung und selbst-schmierenden Ausführung sei Dank.

Rollenketten bringen die Sache ins Rollen

Rollenketten mit Kettenradscheiben sind die am häufigsten genutzten Kettenarten in Kettengetrieben. Diese Art des Kettengetriebes wird nicht nur als Antriebskette von Motorrädern, sondern auch als Triebstock-, Förder- oder Hubkette genutzt. Unter der Verwendung funktionaler Beschichtung kennen Rollenketten kaum noch Einsatzgrenzen. Beschichtungen reichen von chemischem Nickel bis hin zu Zink oder Zink-Flake und erhöhen den Schutz vor Korrosion. Um den Verschleißwiderstand zu steigern, werden Rollenketten besonders an den Bolzen chemisch vernickelt, nitriert oder boriert. Zu den wichtigsten Vorteilen von Rollenketten zählen:

  • Wirtschaftlichkeit durch geringen Verschleiß
  • vielfältige Übersetzungsmöglichkeit
  • schlupflose und formschlüssige Übertragung
  • Widerstandsfähigkeit gegen Schmutz und Temperatur

Kettenräder und Kettenradscheiben – das Material, aus dem Antriebsträume sind

Kettenräder für Motorräder werden aus Gründen der Widerstandsfähigkeit meist aus Stahl, Alu oder Kombinationen der beiden Metalle gefertigt. Beide Materialien und jede ihrer Kombinationen bietet Vorteile.

  • Normales Stahl ist vom Preis her günstig, zeigt sich robust und hält über lange Zeit.
  • Stahl Ultralight bewegt sich preislich annähernd auf derselben Linie wie Alu, ist allerdings nicht so leicht. Nichtsdestotrotz ist diese Art Kettenrad leichter als normales Stahl. Die gepulverten Varianten sind widerstandsfähig und machen auch optisch etwas her.
  • Supersprox Stealth ist nochmal ganze 20 Gramm leichter als Stahl Ultralight. Bei ähnlicher Haltbarkeit und Widerstandsfähigkeit kostet ein Kettenrad aus diesem Material etwa doppelt so viel wie Kettenräder aus Ultralight Stahl.
  • Alu-Kettenräder sind die Leichtgewichte unter den Kettenrädern. Optisch macht diese Variante einiges her: Unterschiedlichen Formen und Farben sei Dank. Offroad kann Schlamm und nasser Sand dem Material zwar auf den Leib rücken, bei richtiger Pflege halten aber auch Alu-Kettenräder relativ lange.

Grundsätzlich punkten Stahlkettenräder verglichen mit Alu-Kettenrädern mit höherer Materialhärte und hoher Lebensdauer zu geringerem Pflegeaufwand. Pflegebereite Biker schaffen es dagegen auch mit dem Alu-Kettenrad über weite Strecken. Wem edle Optik und geringeres Gewicht genauso am Herzen liegen wie eine große Auswahl an Eloxalfarben, der entscheidet sich vermutlich eher für ein Kettenrad aus Alu. Ritzel sind grundsätzlich aus Stahl. Nichtsdestotrotz gibt es auch bei diesem Element der Kettentechnik Unterschiede.

Auf Treiben spezialisiert – Spezialritzel für die Kettentechnik

Marmor, Stein und Eisen bricht, aber die stählernen Antriebsritzel nicht. Neben entsprechenden Kettenradscheiben gehört das Ritzel zum Herz jeder Kettentechnik.Für den Motorradantrieb existieren mittlerweile Ritzel in unterschiedlichsten Varianten. Die stählernen Stücke gibt es zum Beispiel als

  • Rennritzel mit Gewichtsoptimierung durch Zusatzbohrung
  • Ritzel mit Selbstreinigungsfunktion
  • Ritzel mit geometrisch abgeänderten Zähnen
  • gummierte Ritzel (Silent Sprocket)

Seit den 80er Jahren zählen vor allem gummierte Ritzel für japanische Fahrzeughersteller zur Fahrzeugerstausstattung. Die Antriebsritzel sind als Silent Sprocket bekannt und konnten bis vor ein paar Jahren noch deutlich ins Geld gehen. Da auch gummilose Ritzel die Funktion der Fahrzeuge nicht einschränkten und dabei preislich weit unter dem originalen Silent Sprocket lagen, wurden die gummierten Varianten auf dem Aftermarkt aus Kostengründen schnell durch gummilose Antriebsritzel ersetzt. Dass die gummierten Varianten mittlerweile eine Wiederbelebung erfahren haben, hat unterschiedliche Gründe.

Silent Sprocket – im wahrsten Sinne des Wortes „silent“

Obwohl Fahrzeughersteller schon seit den 1980ern das Silent Sprocket verbauen, fanden gummierte Ritzel keine Produzenten auf dem Aftermarket, bis der italienische Kettentechnik-Experte Ognibene 2011 in die Produktion der gummierten Variante einstieg. Vom Silent Sprocket sind verglichen mit anderen Ritzel-Varianten verschiedene Vorteile zu erwarten. Zu den wichtigsten zählen

  • die Geräuschreduzierung von bis zu zwei dB(A) und die Verminderung metallischer Störgeräusche wie Kettenrasseln.
  • die hohe Laufruhe durch die Reduktion von Schwingungen und Vibrationen während der Fahrt.
  • der geringe Kettenverschleiß

Momentan liegt das Angebot gummierter Ritzel bei 60 verschiedenen Ausführungen in Teilungen wie 428, 520, 525 und 530 und zu Übersetzungen von Z.15 bis Z.19.Das daraus entstehende Gesamtangebot an Silent Sprocket umfasst 100 Ritzel für rund 600 verschiedene Motorradmodelle, darunter Aprilia sowie Yamaha.

Leise in Ketten gelegt – aus Silent Sprocket werden gedämpfte Kettenräder

Inspiriert von den gummierten Antriebsritzeln existieren mittlerweile gummierte Kettenräder aus CK45-W.N. 1.1191. Der Gummisteg von einem gummierten Kettenrad ist mittels Bohrungen verbunden. Gummierte Kettenräder werden induktionsgehärtet und mit verzinkten Oberflächen ausgestattet. In Teilungen wie 428, 520, 525 und 530 ist die Kettenradvariante erhältlich und passt in bis zu 80 unterschiedliche Versionen mit rund 250 Kettenrädern auf rund 900 Motorradmodelle von Yamaha bis Aprilia. Ähnlich viele Vorteile wie vom gummierten Ritzel sind auch von gedämpften Kettenrädern zu erwarten, darunter vor allem

  • die Verminderung von metallischen Geräuschen wie Kettenrasseln
  • die höhere Laufruhe durch die Reduktion von Schwingungen und Vibrationen während der Fahrt
  • die Abdämpfung und Absorption von Belastungsspitzen, wie sie besonders für Enduro-und Motocross-Maschinen ohne Ruckdämpfer am Hinterrad vorteilhaft ist
  • der geringe Verschleiß von Ketten

Interessiert? Jetzt Beratung bei der freien Motorradwerkstatt Berlin einholen und Störeinflüsse während der Tour mit gedämpften Kettenrädern auf Dauer abdämpfen.

2017-09-06T14:25:49+00:00